Die Jenseitsvorstellung, der Glaube an ein neues und
ewiges Leben nach dem Tod war für die alten Ägypter sehr wichtig, wie riesige
Pyramiden, prachtvolle Gräber, gut erhaltene Mumien und kostbare Grabbeigaben
zeigen. Die normalen Bürger, die sich solche Bestattungen nicht leisten
konnten, beerdigten die Toten auf einem Holzbrett oder einer Sisalmatte im heißen
Wüstensand und gaben ihnen, wenn überhaupt, nur ein paar Habseligkeiten mit
ins Jenseits. Wie sich aus dem unten beschriebenen „Totengericht“ ergibt,
hing das Weiterleben im Jenseits schließlich von einem sündenfreien irdischen
Leben ab und nicht von teuren Grabbeigaben und durch den heißen Sand war eine
gute Konservierung der Leichnahme gewährleistet.
Der Tod, in altägyptischen Texten als "Lande am
Ufer der Ewigkeit" bezeichnet, bedeutete für die alten Ägypter kein endgültiges
Aus, sondern er war eine Schwelle zu einer neuen Existenz im Jenseits. Alles,
was zum irdischen Leben gehörte, war auch Bestandteil des Jenseits, wobei
Essen, Trinken, das Feiern von Festen mit der Familie und Freunden, Liebe, Musik
und Tanz die angenehmen Seiten waren. Doch auch im Jenseits musste man arbeiten,
wie Darstellungen in Gräbern vom Pflügen, Säen und Ernten im Jenseits zeigen.
Unerwünschte Arbeiten sollten daher von mit ins Grab gegebenen Totenfiguren (Uschebtis)
übernommen werden. (siehe unten „Grabbeigaben“ ® Alltagsgegenstände und Uschebtis).
Nach dem Glauben der alten Ägypter
setzt sich der Mensch aus 6 Bestandteilen zusammen.
3 weltliche Bestandteile: Chet, Ren
und Schut
1.) Chet = der Leib
Der Leib muss für das Weiterleben in der Unterwelt so gut wie möglich konserviert, mumifiziert werden, damit er weiterhin als "Wohnsitz" für Ka und Ba (siehe unten) dienen kann.
2.) Ren = der Name
Der Name muss dem Menschen schon bei seiner Geburt gegeben werden, nach seinem Tod lebt der Mensch in seinem Namen weiter.
3.) Schut
= der Schatten
Der Schatten, den sowohl Lebende als
auch Tote haben, kann sich vorübergehend vom Körper lösen und beschützt den
Menschen vor Übel. Die Hieroglyphe "schut" bedeutet sowohl
"Schatten" als auch "Schutz".
3 geistige / überweltliche
Bestandteile: Ka, Ba und Ach
1.) Ka
![]() |
Der Ka ist von Geburt an Begleiter des
Menschen. Auf Bild- nissen sieht man ihn als schwarzes menschliches Wesen. Die Hieroglyphe ist ein schützend erhobenes Armpaar. Jeder Ka ist für die Versorgung des Toten
zuständig, deshalb |
Ka ist eine Bezeichnung für die zeugenden und bewahrenden Lebenskräfte (besonders des Mannes) und ganz allgemein für die geistig-seelische Lebenskraft. Das Ka-Zeichen dient mit den abwehrend erhobenen Händen als Schutz des Menschen.
2.) Ba
![]() |
Der Ba wird als Vogel mit menschlichem
Kopf dar- gestellt. Nach dem Tod verlässt er den Körper des Menschen. Er kann jede Gestalt annehmen und umherwandeln, |
Ba ist eine Bezeichnung für eine geistige Kraft, vergleichbar mit der Psyche, der Seele. Der vogelgestaltige Ba ist ein mit dem Schicksal des Menschen eng verbundenes Wesen mit göttlichem Charakter, das über den körperlichen Tod hinaus weiterlebt.
3.) Ach
![]() |
Der Ach wird dargestellt als Ibis mit
Schopf. Er entfaltet seine Macht und Lebensfähigkeit haupt- sächlich im Jenseits, kann aber, z.B. als Gespenst auch in den diesseitigen Raum hinausstrahlen. Der Ach ist der geistigste Teil des Menschen. Er ist so sehr mit dem Jenseits verbunden, dass Ach zur Bezeichnung des Verstorbenen selbst wird. |
Die
Ach-Seele versinnbildlicht die enge Verbundenheit des Menschen mit dem Jenseits.
Sie steigt nach dem Tod ihres Trägers zum Himmel empor, dort bewacht sie das
Grab und den guten Ruf des Verstorbenen. Sie rächt sich an jedem, der es wagt,
die Totenruhe des Verstorbenen zu stören.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Erst wenn der Ka und der Ba sich
durch das Begräbnisritual wieder mit dem Körper vereinigt haben, lebt der
Verstorbene in seiner göttlichen Form eines Achs weiter. Ohne einen Körper müssten
Ka, Ba und die Ach-Seele sich im Nichts verirren und erlöschen. Dies würde das
unwiderrufliche Ende der menschlichen Existenz bedeuten. Um dies zu vermeiden,
wurde der Körper der Toten mumifiziert.
Dem Verstorbenen wurde oft eine
Statue von sich selbst als Ersatzkörper mit ins Grab gegeben. Falls seine Mumie
später einmal beschädigt oder gar zerstört werden sollte, diente diese Statue
dann als Wohnsitz von Ka, Ba und Ach.
Von
besonderer Bedeutung für den Menschen war auch sein Name (Ren, siehe oben). Der
Ren kann, wie die Statue, als Ersatzkörper fungieren. Es war also für den
Verstorbenen sehr wichtig, dass sein Name möglichst mehrfach, z. B. in Form von
Wandmalereien, genannt wurde.
Nach dem Tod musste der Ka durch die
12 Pforten der Duat (Unterwelt) reisen, die für die 12 Stunden der Nacht
standen. Diese Reise war mit Gefahren und Prüfungen verbunden, die der
Verstorbene alle bestehen musste, bevor er von Osiris in das Totenreich
eingelassen wurde. Durch Gebete und Hymnen musste er das Wohlwollen der Wächter
und Götter erlangen.
In der Halle der Wahrheit sitzt
Osiris vor den Göttinnen Isis und Nephtys, die um die Toten trauern. Vor ihm
wird das Herz des Verstorbenen gegen die Feder der Göttin Maat aufgewogen.
Ist das Herz leichter oder gleich schwer wie die Feder der Göttin Maat, gilt der Verstorbene als gerechtfertigt und kann ins Jenseits übergehen. Ist das Herz aber schwerer, so ist die Seele von Schuld beladen und kann nicht mehr gerettet werden. Dann wird das Herz von der "Fresserin", einem Ungeheuer mit dem Hinterteil eines Nilpferdes, dem Vorderteil eines Löwen und dem Kopf eines Krokodils gefressen und der Tote kann somit nicht weiterleben. Dies galt für die alten Ägypter als die größte Strafe.
![]() |
Abbildung der Dämonin Ammit (Ammut), der „Fresserin“. |
Anubis überprüft
das Lot und fungiert damit als Wiegemeister. Thot notiert das Ergebnis und
informiert dann Osiris. Diese Funktion kann auch von Horus ausgeführt werden.
Neben der Wägung des Herzens muss der Verstorbene auch noch vor 42 Totenrichtern, deren oberster Richter Osiris ist, ein "negatives Sündenbekenntnis" ablegen, d.h. erklären, dass er sich bestimmter Vergehen, z.B. Verrat, Prahlerei, Täuschung, Veruntreuung, Raub und Diebstahl nicht schuldig gemacht habe.
![]() |
Maat personifiziert die
Weltordnung. Sie ist eine Verkörperung der Begriffe Recht, Gerechtigkeit, Wahrheit, Gesetzmäßigkeit, Harmonie. In späterer Zeit galt sie als die Tochter von Ra. Maat personifiziert nicht nur die irdische
Weltordnung, sondern |
![]() |
Anubis ist der Gott der
Einbalsamierer und Beschützer der Verstorbenen. Er wird entweder als liegender Schakal oder als Mensch mit Schakalkopf abgebildet. Im Totenbuch wird Anubis als Gott dargestellt, der
den Vor- Gemäß einigen Texten ist Anubis der Sohn von
Nephtys und |
![]() |
Thot wurde als Mensch mit einem
Ibis-Kopf oder tiergestaltig als Pavian oder Ibis dargestellt. Thot ist Gott des Mondes, des Kalenders und der
Zeit- |
Thot als Ibis mit der vor ihm
sitzenden Göttin Maat
Thot taucht in mehreren Sagen auf. Er setzte z.B. Horus das Auge wieder ein (siehe: „Amulette“ ® Udjatauge) und brachte das Ur-Ei zum Urhügel (siehe: Götter-Achtheit von Hermopolis).
Beim Totengericht notiert Thot das Ergebnis des Herzwiegens und teilt dieses Osiris mit. Außerdem galt Thot als der Wesir von Ra, den er zusammen mit Maat in der Sonnenbarke begleitet (siehe: Götter-Neunheit von Heliopolis ® Re)
Diese Darstellung zeigt einen Ausschnitt aus dem Totenbuch von Hunifer:

von links nach rechts: Der Verstorbene Hunifer, ein königlicher Schreiber und Verwalter (im weißen Gewand) wird von dem schakalköpfigen Anubis zur Seelenwaage geführt, auf der seine Taten abgewägt werden. Bei der Waage sitzt die „Fresserin“ Ammit. Thot mit Ibiskopf notiert die Ergebnisse. Anschließend tritt Hunifer mit Horus vor den Thron von Osiris, hinter ihm stehen Isis und Nephtys. Bei den vier kleinen Figuren auf der Blüte vor Osiris handelt es sich wahrscheinlich um eine Abbildung der Horussöhne (Kanopengötter, siehe unten).
Es handelt sich hierbei um
Papyrusrollen und Inschriften an den Grabwänden und Grabsäulen. Die Totenbücher
sind eine Ansammlung von Beschwörungen, Zaubersprüchen und Bildern. Sie wurden
den Toten mit ins Grab gegeben und sollten sie vor den Gefahren schützen, die
im Jenseits auf sie lauerten. Insbesondere sollten sie ihnen die Fähigkeit
verleihen, sich beliebig in irgendwelche jener mächtigen Wesen zu verwandeln,
die das Totenreich bevölkerten. Sie sollten sie auch mit Losungsworten
versehen, die ihnen eine Unterweltpforte nach der anderen öffneten, damit sie,
wenn sie diese im Schutz der Götter durchschritten hatten, schließlich selbst
mit vielen dieser Gottheiten eins würden.
Priester
Die Tempel im
alten Ägypten waren sowohl Kultstätten als auch Verwaltungsgebäude. Die
Priester waren Beamte und neben der Versorgung der Götter auch noch für die
landwirtschaftlichen Betriebe des Tempels, die Tempeldiener und die Armee des
Tempels zuständig. In jedem Tempel arbeiteten eine Vielzahl von Priestern.
Innerhalb der Priesterschaft gab es verschiedene Rangstufen. Es gab sog.
Stundenpriester, die über spezielles Wissen in der Astronomie verfügten und für
den Kalender der Jahresfeiern zuständig waren. Des weiteren gab es
Vorlesepriester, die bei Kulthandlungen aus den heiligen Büchern rezitierten
und Lehrpriester, die in den angeschlossenen Tempelschulen tätig waren und dort
Schüler unterrichteten. Neben den Priestern für die Kulte gab es auch noch
Einkäufer, Verwaltungsfachleute der Tempelgüter, Juristen und vor allem
Totenpriester, die für die Überwachung der Mumifizierungen und Bestattungen
zuständig waren.
Der Vorgang
der Mumifizierung war in einen vielfältigen Ritualvollzug eingebunden. Bei
diesem Balsamierungsritual handelt es sich um ein religiöses Theaterspiel, bei
welchem sowohl der Tote als auch die Priester die Rolle von Göttern übernahmen.
Bei der Leichenwäsche galten die beteiligten Priester als die Reinigungsgötter
Horus und Thot, während sich der Leiter der Totenpriester durch Anlegen einer
Schakal-Maske in den Totengott Anubis verwandelte.
Die Priester trugen gewöhnlich weiße
Leinengewänder und Papyrussandalen. Manche Priester mit bestimmten Funktionen
trugen spezielle Kleidung, wie der Sem-Priester, der sich für eine Bestattung
ein Leopardenfell übergestreifte. Sem-Priester gab es seit dem Neuen Reich (ca.
1570 v. Chr.), sie führten bei einem Begräbnis die Mundöffnungszeremonie an
der Mumie durch. (siehe unten „Das Bestattungsritual“)
Die
meisten Priester waren neben ihrem Priesteramt auch als Arzt, Magier, Schreiber
und Lehrer und manche auch als Traumdeuter und Wahrsager tätig.
Es gab auch
weibliche Priesterinnen, die in erster Linie weiblichen Gottheiten dienten. Sie
kamen meist aus den oberen Gesellschaftsschichten. Im Alten und im Mittleren
Reich dienten solche Priesterinnen vorwiegend der Göttin Hathor. Zum Kult der
Hathor gehörten Musik und Tanz, weshalb die Priesterinnen die Tänze mit einem
Musikinstrument, dem Sistrum (eine Art Rassel, deren Handgriffe oft mit dem Kopf
der Hathor verziert waren) begleiteten. Die meisten Priesterinnen waren häufig
als Sängerinnen und Tänzerinnen im Tempel beschäftigt. Während des
Alten Reichs gab es sog. Ka-Dienerinnen, die etwas mit den Ritualen bei Begräbnissen
zu tun hatten. Ab der 18. Dynastie (ca. 1570 v. Chr., Neues Reich) war der höchste
Titel einer Priesterin "Gottesgemahlin des Amun" und meist hatte die
Tochter des regierenden Königs dieses Amt inne. Während des Neuen Reiches galt
der Titel der „Gottesgemahlin des Amun“ sogar mehr als der des Hohepriesters.
Die „Gottesgemahlin des Amun“ hielt die Macht in den Händen und überwachte
die Ländereien des Tempels und hatte Zugang zu großen Reichtümern.
Die Priester mussten nicht enthaltsam
leben, viele waren verheiratet und hatten Kinder.
Die Priester
hatten aber das größte Reinhaltsgebot zu erfüllen. Sie mussten sich alle
Haare, auf dem Kopf und am Rest des Körpers abrasieren und sich viermal am Tag
(zweimal tagsüber, zweimal nachts) waschen. Jeder, der im Tempel arbeitete,
musste rituell rein sein. Ein Großteil der Priester war einfach nur für die
Reinigung, Instandhaltung und die Sicherheit des Tempels verantwortlich, diese
Priester wurden "wab“ oder „web" genannt, was "Reiniger"
oder "Gereinigter" bedeutet.
Auch die Statue des Gottes musste
gereinigt werden. Sie wurde vom Hohepriester, der sich als einziger außer dem
Pharao dem Gott nähern durfte, mehrmals täglich gewaschen, eingekleidet und
parfümiert. Dadurch sollte die Statue für den jeweiligen Gott so attraktiv
gemacht machen, dass er sich in ihr niederlässt. Ernährt wurden die Götter
von Speisen, die ihnen jeden Tag dargereicht wurden (die Speisen wurden nachher
von den Priestern gegessen). Zur Unterhaltung des Gottes gab es
Tempeldienerinnen, die vor dem Gott tanzten und musizierten. Einige Götter besaßen
einen Harem, in dem die schönsten Frauen des Landes versammelt waren.
Die Bevölkerung
durfte die Tempel nicht betreten. Zu besonderen Festtagen wurde die Statue des
Gottes in einer Prozession durch den Hof des Tempels getragen, den die Bevölkerung
dann ausnahmsweise betreten durfte. Die Bevölkerung hatte ansonsten Götterschreine
in ihren Häuser, die der alltäglichen Religion dienten.
Die meisten Priester waren sehr überheblich,
insbesondere die Oberpriester, da sie sich ihrer herausragenden Stellung natürlich
bewusst waren. Sie wurden von den Pharaonen hofiert, weil sie wissenschaftliche
Kenntnisse hatten, über die sonst niemand verfügte. Der Pharao vereinigte zwar
alle sichtbare Macht auf sich, die Fäden hielten jedoch die Priester in der
Hand. Die Priester waren eine verschworene Kaste, die ihr Wissen niemand Außenstehendem
mitteilten. Ihre okkulten, naturwissenschaftlichen und medizinischen
Erkenntnisse wurden auf Papyrusrollen aufgezeichnet.
Die Priester hatten die Möglichkeit,
geplante Operationen vorher an Sklaven auszuprobieren, was einem Todesurteil
gleich kam. Die Sklaven wurden auf Operationsgestelle gefesselt und die Priester
übten an ihnen chirurgische Eingriffe von der Zahnplombierung bis hin zur
Gehirnoperation. Die Erfahrungen wurden dann in Geheimbüchern aufgezeichnet.
Verschiedene medizinische Papyri geben über den Stand der Medizin und Magie im
alten Ägypten Aufschluss. Der bekannteste ist der Papyrus Ebers (benannt nach
seinem Entdecker, dem deutschen Ägyptologen Georg Ebers). Dieser Papyrus enthält
medizinische Rezepte und Therapieanweisungen aus dem Neuen Reich (17. Jh. v.
Chr.)
Amulette galten im alten Ägypten als Glücksbringer und Schutz vor allem Bösem für die Lebenden und die Toten. Lebende trugen sie als Kette um den Hals, am Handgelenk oder als Ring. Bei Toten legte man sie außerdem zwischen die verschiedenen Leinenschichten. Der Schutz war nur bei richtigem Gebrauch und richtigem Tragen gewährleistet, hierzu gab es Papyri mit genauen „Lageplänen“.
Ankh (Anch)
![]() |
Wird auch Lebensschleife bzw.
Lebensschlüssel und Henkelkreuz (christlich-koptisch) genannt. Die Hieroglyphe bedeutet soviel wie (ewiges) Leben. Götter reichen dem Pharao das Ankh, halten es an
seinem Mund |
![]() |
Ankh-Anhänger sind als Lebenschleife
bzw.Lebensschlüssel auch in der heutigen Zeit sehr beliebt. |
![]() |
Die Bedeutung des Djed-Pfeilers ist nicht
eindeutig geklärt. Man vermutet, dass er das Rückrat des Totengottes Osiris symbolisiert. Auf einigen Sargböden des Neuen Reiches wurde der
Djed- Die Hieroglyphe steht für "Dauer" und "Stabilität"
|
Ursprünglich handelte es sich bei
dem Djed-Pfeiler um einen Pfahl, um den Getreide gebunden wurde. Mit der Zeit
entwickelte sich eine stilisierte Form. In Bezug auf den Djed-Pfeiler gab es
mehrere Riten, die sich im Lauf der Jahre veränderten, aber hauptsächlich aus
dem Ritual des "Aufrichten des Djed-Pfeilers" hervorgingen. Das
Zeichen wird im Hieroglyphischen oft mit "Macht" gleichgesetzt, da mit
dem Pfeiler die Mächtigkeit des Getreides bei Erntebeginn bewahrt werden
sollte.
![]() |
![]() |
![]() |
Diese drei Symbole des Pharao sollten auch nichtkönigliche vor den Gefahren im Jenseits schützen. |
Die Kronen der Götter, Könige und Königinnen
waren Zeichen ihres Einflussbereiches und ihrer Macht. In den Darstellungen
findet man verschiedene Kronen, die teilweise einfache Kopfbedeckungen
darstellen, teilweise mehrfach aus Schmuck zusammengesetzt sind.
![]() |
Ist meistens aus rotem Karneol gefertigt
und mit dem Namen des Verstorbenen beschriftet. Die Namensperle sollte den Verstorbenen an seinen Namen erinnern, wenn er vor dem Tribunal des Osiris oder anderer Götter stand. |
![]() |
Papyrus ist das Symbol der aus dem
Urwasser entstehenden Welt. Das Ideogramm bedeutet "grün" und "grünen" und steht für "Gedeihen". Den Toten (und Göttern) wurden Papyrus- sträucher dargebracht, die Triumph und Freude bedeuteten. |
Im alten Ägyptern wurde Papyrus (Pflanze aus der Familie der Riedgräser) vielfältig verwendet. Der untere Teil wurde als Gemüse verwendet und aus dem Bast fertigte man Seile, Segelbespannungen, Körbe oder Sandalen. Aus zusammengebundenen Bündeln wurden leichte Boote gefertigt. Der wichtigste Verwendungszweck war die Herstellung eines Schreibmaterials, das aus dem faserigen Mark bereits seit ältester Zeit gewonnen wurde. Auf Grund der aufwendigen Herstellung war Papyrus recht teuer. Deshalb wurden Papyri oft mehrmals verwendet und beidseitig beschrieben. Papyrus war das wichtigste Schreibmaterial für die Verwaltung, außerdem wurden wissenschaftliche Abhandlungen und literarische Texte auf Papyri niedergeschrieben.
![]() |
Bei einer Mumie wurde das Amulett auf
besonders verwundbare Körperteile, wie die Kehle gelegt. Wirkung: Schutz vor Schlangen |
Die Schlange erscheint in der ägyptischen
Mythologie gegensätzlich, einerseits wird sie verehrt, andererseits wird sie
verabscheut und gefürchtet. Die bekanntesten Schlangen sind die Uräusschlange,
(aufgerichtete Kobra, Schutzsymbol an der Stirn von Pharaonen und Göttern) und
die Aphophisschlage (Riesenschlange, ein Ungeheuer, das die Sonnenbarke des Re
bedroht).
![]() |
Der Mistkäfer dreht aus Dung eine Kugel, die um einiges größer als er selbst ist. Das Weibchen legt ein Ei hinein und ein neuer Skarabäus entsteht. Für die alten Ägypter schien er durch Selbst- zeugung in der Mistkugel zu entstehen. |
Wirkung: Verkörpert die Sonne und die Auferstehung der Toten.
Der Herzskarabäus wurde bei manchen Mumien anstelle des Herzens gelegt. Dies sollte einen guten Einfluss auf die Waage der Maat bewirken.
![]() |
Auch als Isis-Knoten bekannt. Stellt ein
gefaltetes und ge- knotetes Tuch dar. Evtl. ist es mit dem Stofftuch vergleichbar, das sich schwangere Frauen zwischen die Beine banden, um Blutungen zu verhindern und das Leben ihres ungeborenen Kindes zu schützen. Wirkung: Schutz vor Bösem |
Während des Neuen Reiches wurde das
Tit-Amulett mit dem Mythos der Isis verbunden. Diese speziell geknotete Gürtelschleife
(Tit-Knoten) steht vermutlich auch in einem Zusammenhang mit dem Lebenszeichen
Anch.
Udjat-Auge
![]() |
Das Udjat-Auge war eines der wichtigsten Schutzamulette der alten Ägypter. Wirkung: Schutz vor allem Bösen, ewiges Leben,
|
Sonne und Mond galten
als die Augen des Gottes Horus. Als Horus gegen Seth kämpfte, um seinen Vater
Osiris zu rächen, schlug Seth Horus sein Mondauge (das linke Auge) aus. Thot
setzte das Auge hinterher durch magische Kräfte wieder ein. Da Horus sein Auge
heil und gesund wieder zurück bekam, wurde es Udjat-Auge genannt, udjat
bedeutet intakt, vollständig, gesund.
Das Udjat-Auge wurde das
Symbol für alles, was mit Vervollständigung und Heilung zusammenhing, es war
aber auch mit Schutz, Vollkommenheit und Macht verbunden. Als unabhängig
funktionierendes Wesen konnte das Auge teilweise personifiziert und mit Armen
oder Flügeln versehen werden. Das Udjat-Auge ist eine Mischung aus Menschen-
und Falkenauge. Die Form und die Augenbraue stammen vom menschlichen Auge, während
die Linien darunter der Zeichnung eines Falkenauges entsprechen (der Falke ist
die Erscheinungsform von Horus, „Himmelsfalke“).
Das Udjat-Auge war ursprünglich das Mondauge, also das linke Auge von Horus, aber die meisten Amulette bilden das rechte Auge ab, das ursprünglich das Sonnenauge des Re war. Dies beruhte teilweise auf der Beziehung, die die alten Ägypter zwischen rechts und positiven und guten Dingen herstellten. Außerdem galt die Sonne viel mehr als der Mond als das Symbol des eigentlichen Sieges. Dieses Sonnenauge wurde auf Stelen und besonders auf Sarkophagen in oder über einer Abbildung einer nach Osten orientierten Scheintür angebracht. Texten zufolge sollte dieses Auge dem Verstorbenen die Fähigkeit verleihen, nach außen zur aufgehenden Sonne hin zu blicken.
![]() |
Das Udjat-Auge hatte auch noch eine
mathematische Bedeutung, dabei wurden Bruchzahlen mit Teilen des Auges angegeben. Die einzelnen Teile entsprechen bestimmten Bruchzahlen, die in der Addition 63/64 ergeben. Das eine fehlende 1/64wurde nach der Sage von Thot nicht wiedergefunden. |
![]() |
Nachdem die Organe entfernt worden waren,
legte man das Zweifingeramulett auf die Schnittstelle. Wahrscheinlich sollte es die beiden Schnittränder zusammenhalten. Die mystische Wirkung ist unbekannt. |
Bezeichnung für Eingeweidekrüge.
![]() |
Die beim Mumifizierungsprozess
entnommenen Eingeweide wurden getrennt in vier Krügen auf- bewahrt, von denen jeder Krugdeckel mit den Köpfen der Kanopengötter (Horussöhne) verziert war. |
Die vier Horussöhne hatten die
Aufgabe, die inneren Organe der Verstorbenen zu bewachen, die in den vier
Kanopen aufbewahrt wurden. Nach und nach entwickelten sich feste Zuordnungen,
und die Deckel der Kanopenkrüge wurden nach den Köpfen der einzelnen Götter
geformt.
In manchen Kanopen wurden gar keine Reste von Eingeweiden gefunden. Hierbei handelt es sich um sogenannte Scheinkanopen. Sie hatten nur eine kleine oder gar keine Einhöhlung. Nach dem Glauben der alten Ägypter genügte es, wenn einfach nur Kanopen mit ins Grab genommen wurden. Damit war der Körper magisch komplett.
Die vier Horussöhne:
Kanopengötter, Schutzgötter der Toten, die auch die
vier Himmelsrichtungen symbolisieren.
![]() |
Amset (Imset)
Schutzgott der Toten, die er vor Hunger und Durst
bewahrt. |
![]() |
Hapi
Gott der Nilüberschwemmungen bzw. Personifikation
des Nils. |
![]() |
Duamutef
Beschützer der Toten. Als Kanopendeckel wird er
schakal- |
![]() |
Kebechsenef (Kebehsenuef)
Beschützer der Toten und Behüter der
Eingeweide. Als |
Der Sarkophag sollte die Mumie sowohl körperlich als auch auf magische Art und Weise schützen. Er war für den Toten eine Art Wohnung, durch die er aus- und eingehen konnten. Man malte früher auf die Seite des Sarges große Augen, aus denen der Tote in die diesseitige Welt herausschauen konnte (siehe oben „Udjat-Auge“).
In und auf den Sarg schrieb man Zaubersprüche, die vor dem zweiten Tod im Jenseits schützen sollten, denn das wäre dann der endgültige Tod gewesen (siehe oben „Das Totengericht“). Manchmal malte man auch eine Landkarte der Unterwelt auf die Innenseite, damit sich der Tote dort zurechtfinden konnte.
![]() |
Sarkophagdeckel und Unterseite des
Innensarges der Tachateru 3. Zwischenzeit, 22. Dynastie (ca. 900 v. Chr.)
|
Neben diesen reichlich verzierten und oft auch überladenen Stücken gab es auch einfarbige Sarkophage aus wertvollem Granit, Basalt oder anderen harten Steinsorten.
Den Toten wurden diverse Alltagsgegenstände mit ins Grab gelegt. Dazu zählten Möbel, Kleidung, Spiele, Musikinstrumente, Schmuck, Kosmetik, Geschirr, Essen (z. B. Getreide, konserviertes Fleisch, Obst) und Trinken (z. B. Wein und Bier).
Gegenstände aus dem Grab von Tut-ench-Amun, Neues Reich, 18. Dynastie, Ägyptisches Museum Kairo:
![]() |
![]() |
| Truhe | Kopfstütze |
|
|
|
![]() |
![]() |
| Stuhl | Rückenlehne, Abb. des jungen Königs und seiner Frau Anchesenamun |
Uschebtis sind meist von
mumienartiger Gestalt und galten ursprünglich als eine Art Ersatzkörper des
Verstorbenen für den Fall, dass seine Mumie zerstört oder beschädigt würde.
Diese frühen Uschebtis tragen nur kurze Inschriften mit Name und Titel des
Verstorbenen.
In der 13. Dynastie (1778 – 1700
v.Chr., Mittleres Reich) erscheint erstmals eine längere Aufschrift. Dieser
sog. Uschebti-Spruch schildert Zweck und Aufgaben der Totenfigur und macht
deutlich, dass sich diese vom Abbild des Toten zu seinem Stellvertreter
gewandelt hat. Das Wort Uschebti bedeutet wahrscheinlich "Antworter",
wenn der Verstorbene im Jenseits zur Arbeit gerufen wird, sollen die Uschebtis
an seiner Stelle "antworten" und ihm alle anfallenden unangenehmen
Arbeiten abnehmen. Deshalb spricht man bei Uschebtis auch von
"Stellvertretern", die an Stelle des Toten auf die Befehle des Gottes
hin diese ausführen.
Der Amun-Priester Djehutihotep schrieb auf sein Uschebti, das sich heute in der Sammlung des Seminars für Ägyptologie befindet:
O ihr Uschebti,
wenn Djehutihotep für die Arbeit,
die im Totenreich geleistet werden muss,
angewiesen wird, wie ein Mann zu seiner Pflicht
(gerufen wird),
um die Felder zu bestellen und
die Ufer zu bewässern,
um den Sand des Ostens
und den des Westens überzufahren,
dann sollst du sagen:
"Ich bin hier"
Zur Verrichtung der Arbeit sind die
Uschebtis mit Geräten zur Bodenbearbeitung (z. B. Hacken und Säckchen mit
Saatgut) ausgestattet. Die königlichen Uschebtis sind mit Krummstab und Wedel
ausgerüstet. Uschebtis waren zuerst aus Holz oder Wachs, später benutzte man
verschiedene Gesteinssorten wie Kalk, Granit, Quarz, Alabaster (Kalzit),
Schiefer, Serpentin oder sogar Bronze, überwiegend dann jedoch Fayence (Tonwaren mit Zinnglasur,
Keramik).
Die Anzahl der Uschebtis war zunächst
variabel, später bestand idealerweise ein vollständiger Satz aus 365 Figuren
(eine für jeden Tag), es wurden sogar rund 700 dieser Totenfiguren in einem
einzigen Pharaonengrab gefunden.
Größere Mengen der Uschebtis bewahrte man in Uschebti-Holzkästen auf. Im späten Neuen Reich verwendete man bauchige Gefäße (Uschebti-Kanopen). Uschebti-Kästen wurden als Haus aufgefasst, in dem die Figuren wohnen.
![]() |
![]() |
![]() |
| Neues Reich, Holz | Spätzeit, Fayence | 3. Zwischenzeit, Fayence mit kobaldblauer Glasur |
Zum Anfang des Bestattungsrituals eines
Königs gehörte eine lange Prozession bis nach Abydos, dem Hauptkultort des
Totengottes Osiris. Abydos war ein bedeutendes religiöses Zentrum in Oberägypten,
letzte Ruhestätte der ältesten ägyptischen Könige und ein vielbesuchter
Wallfahrtsort (siehe auch: Die Götter-Neunheit“ von Heliopolis ®
Osiris“).
Der symbolische "Weg nach Abydos" wurde zum Bestandteil der Begräbnisrituale. Angeführt wurde er vom Nachfolger des Königs, dicht gefolgt von hohen Beamten, Würdenträgern, Priesterinnen und Priestern. Einige waren als Anubis, andere als die Schutzgöttinnen Isis und Nephtys verkleidet. Der Sarkophag mit dem König wurde von einem ochsengespannten Schlitten gezogen. Seine Eingeweide in den Kanopen waren in einem weiteren Schlitten untergebracht und seine ganzen Grabbeigaben wurden wahrscheinlich ebenfalls hinterher gezogen. Dahinter gingen bezahlte Klageweiber, die sich die Kleider zerrissen und Erde über ihr Haupt schütteten.

Die
Darstellung zeigt den Trauerzug aus dem Totenbuch des Ani (Neues Reich, 19.
Dynastie, um 1250 v. Chr.). Der Schlitten mit der Mumie wird von 4 Rindern
gezogen. Ganz links wird der Kanopenschrein, auf dem Anubis als Schakal sitzt,
gezogen. Darüber sieht man Männer, die ein paar Grabbeigaben tragen. Begleitet
wird der Trauerzug von Angehörigen, Freunden und Klageweibern.
Am Grab angekommen wurde das Mundöffnungsritual vollzogen. Das Mundöffnungsritual diente ursprünglich der Belebung und Beseelung von Statuen und Bildwerken. Später wurde das Ritual auch an Mumien, Skarabäen, heiligen Tieren und Uschebtis vollzogen.
![]() |
Mundöffnungsritual Aus dem Papyrus Hunifer Neues Reich, 19. Dynastie, um 1290 v. Chr. |
Der
Sem-Priester (siehe oben „Priester“) musste dafür sorgen, dass der Tote
wiederbelebt wurde. Dafür reinigte man die Mumie bzw. die Statue und rieb sie
mit Salböl ein. Während der etwa 75 verschiedenen Handlungen verbrannte man
Weihrauch und sagte magische Sprüche auf. Das Mundöffnungsritual wurde von dem
mit einem Leopardenfell bekleideten Sem-Priester durchgeführt, der während des
Rituals mit speziellen Werkzeugen den Mund der Mumie berühren musste. Somit
erreichte der Verstorbene "durch den Mund" seine Unsterblichkeit, der
Tote konnte nach dem Glauben der alten Ägypter wieder reden, sprechen und
essen. Für die Durchführung der Mundöffnung selbst wurden Geräte wie der
Dechsel (eine Art Beil) oder ein als Fischschwanzmesser bezeichnetes Gerät
benutzt.
Schließlich wurden der Sarkophag,
die Kanopen und die Grabbeigaben ins Grab gebracht und die Trauernden
verbrachten den Rest des Tages bei einem "Leichenschmaus" mit Speisen,
Getränken, Tänzerinnen und Musikanten.