Die Götter-Neunheit (Enneade) von Heliopolis

 

 

Heliopolis (On, Iunu) 

Iunu („Stadt des Pfeilers“) war eine alte Stadt in Ägypten, die von den Griechen Heliopolis („Sonnenstadt“) genannt wurde, nach ihrem Sonnengott Helios, den sie in dem ägyptischen Gott Atum bzw. Re sahen. In der Bibel wird die Stadt On genannt. 

Während der 5. Dynastie (ca. 2480 – 2350 v. Chr.) in Alten Reich wuchs der Kult des Sonnengottes Re (Ra) und damit auch die Bedeutung von Heliopolis zu einem politisch und spirituell mächtigen Zentrum. 

Die Ruinenstätte von Heliopolis liegt nordöstlich von Kairo. Einstmals war Heliopolis die Hauptstadt des 13. unterägyptischen Gaus, übriggeblieben ist leider nur noch ein Obelisk (ca. 20,4 m hoch, Abb. unten).

Obelisken waren ein Symbol für den Sonnengott Ra (Re), in der oberen pyramidenförmigen Spitze sollte er sich niederlassen können. Der Granit-Obelisk in Heliopolis, der heute in der Nähe des Flugplatzes von Kairo steht, wurde von dem Pharao Sesostris I., (12 Dynastie, Mittleres Reich) ca. 1960 v. Chr. errichtet und gehörte zum Komplex des Sonnentempels. Der Tempel von Heliopolis war einer der größten Ägyptens. Er war den Sonnen- göttern Atum und Re geweiht. Die beiden eigenständigen Götter flossen mit der Zeit ineinander und wurden als Atum-Re bzw. Re-Atum bezeichnet.

Der Tempel beinhaltete zwei getrennte Heiligtümer. Es sind Schriftstücke gefunden worden, die belegen, dass die Götter zwar getrennt aufgeführt aber gemeinsam angesprochen wurden. 

 

Götter-Neunheit (Enneade) von Heliopolis 

Die Priester von Heliopolis entwickelten eine Kosmonogie über den Schöpfergott Nun und die Gruppe der neun Urgötter:

Atum 

Schu und Tefnut (Tefnet) 

Geb und Nut 

Isis und Osiris, Nephtys und Seth

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Nun 

Der Gott Nun verkörpert die Urgewässer des Nichts (Urchaos), aus denen in den Entstehungsmythen von Heliopolis der Schöpfergott Atum hervorging sowie das erste Land, der Urhügel. In einigen Texten heißt es, dass Heliopolis bzw. der Sonnentempel auf dem Urhügel erbaut worden sei. Nun ist ein in die Zeit des Chaos zurückreichender Urgott, weswegen er den Beinamen „Vater der Götter“ hat. Darstellungen zeigen Nun mit einem Froschkopf. Nachdem Atum aus dem Wasser des Nun entstiegen war, bestand die Aufgabe von Nun lediglich darin, mit seiner Präsenz an die Gefahr zu erinnern, dass er den Kosmos ein weiteres Mal ins Urchaos stürzen könnte.   

Atum 

Der Gott Atum hat sich selbst geschaffen und war aus dem Urgewässer des Nun entstiegen, er ist der Weltschöpfer. In einigen alten Texten wurde er mit dem Urhügel gleichgesetzt, der aus Nun hervorging. Der Name Atum bedeutet „Der noch nicht Vollendete“ oder auch „Der Nichtseiende“. Über die Erschaffung des ersten Götterpaares und der Menschen durch Atum gibt es unterschiedliche Auslegungen. Atum erschuf seinen Sohn Schu und seine Tochter Tefnut (Tefnet), indem er ihn ausatmete und sie ausspuckte bzw. durch Selbstbegattung mit seinem Schatten bzw. durch Masturbation. Die bei der Masturbation beteiligte Hand wird durch die Göttin Jusas personifiziert als das weibliche Element in Atum bzw. als die "Götterhand". Aus seinen Tränen bzw. seinem Schweiß erschuf Atum die Menschen. 

Darstellungen zeigen Atum meist in Menschengestalt,  
die Doppelkrone Ägyptens tragend.

Atum wurde als Gott der untergehenden Sonne verehrt bzw. als abendlicher Aspekt des Sonnengottes. Seine Tiergestalten waren der Skarabäus, die Schlange und in späterer Zeit das Ichneumon (Name der ägyptischen Rasse eines marderartigen Raubtiers, graue Schleichkatze).

 

Schu und Tefnut (Tefnet) 

Kinder des Gottes Atum. 

Die Göttin Tefnut (Tefnet) ist die Göttin der Feuchtigkeit und Schwester des Luftgottes Schu . Die beiden Geschwister waren die ersten Gottheiten, die aus dem Körper des Atum hervorgegangen sind. Mit ihr und ihrem Brudergemahl Schu entstand die Zweiheit und Zweigeschlechtlichkeit, die aus der Einheit ihres Vaters Atum geschaffen wurde, der zuvor der „Einherr“ war. Sie bilden das "Paar, das die Götter gezeugt hat". Aus beiden ging das Götterpaar Geb und Nut hervor.

Tefnut wurde als menschliche Gestalt mit einem Löwenkopf dargestellt, als Kopfbedeckung trägt sie eine Sonnenscheibe, die von zwei Schlangen umringt ist. Tefnut wurde das Mondauge zugeordnet, sie kann aber durch mythische Querverbindungen auch zum Sonnenauge werden, welches als Uräusschlange erscheint.

Tefnut hat die Beinamen: Herrin der Schlange, Stirnschlange am Haupte aller Götter.

 

Die Uräusschlange (Kobra) war ein altägyptisches Machtsymbol von Göttern und Königen. Die griechische Bezeichnung Uräus ist aus dem ägyptischen Wort „Die sich Aufbäumende“ abgeleitet worden. Die Pharaonen trugen an ihren Kronen an der Stirn eine Figur, die eine aufgerichtete Kobra darstellte, diese Stirnschlange wurde als Uräus bezeichnet.

Auch die Götter wurden oft mit der Uräusschlange abgebildet. Die Uräusschlange war ein Herrschafts- und Schutzsymbol. Die Kobra wurde durch die schlangengestaltige Göttin Wadjit (Wagjet) personifiziert, der Schutzgöttin von Unterägypten. In der altägyptischen Mythologie bestand eine Verbindung zwischen der Uräusschlage und dem Auge des Re (Sonnenauge). 

Die Uräusschlange war somit auch ein Symbol für das Sonnenauge. Viele Göttinnen wurden mit der Uräusschlange identifiziert und somit mit dem Sonnenauge in Verbindung gebracht, u.a. auch die Göttin Sachmet (siehe: Triade von Memphis ® „Sachmet“ und auch Der Totenkult der alten Ägypter ®Amulette“ ® „Udjat-Auge“).

Schu als menschengestaltiger Gott hält den Himmel 
hoch. Sein Name bedeutet "Leere". Als Gott der Luft 
verkörpert er den Raum zwischen Himmel und Erde, den 
die Sonnenstrahlen durchdringen. Er stützt seine Tochter 
Nut, die Göttin des Himmels, väterlich nach oben und 
trennt sie damit von der Erde.

Durch die Gleichsetzung von Atum mit dem Sonnengott Re wird Schu auch „Sohn des Re“ genannt und wird als solcher mit einem Löwenkopf dargestellt.

 

Geb und Nut 

Kinder von Schu und Tefnut. 

Der Erdgott Geb ist der Bruder und Gatte der Himmelsgöttin Nut. Einem alten Mythos zufolge zeugten Geb und Nut die Sonne. Es gibt auch Überlieferungen, wonach Geb in Gestalt einer Gans das kosmische Ur-Ei legte, aus dem die Sonne geboren wurde (siehe: Götter-Achtheit von Hermopolis ® "Der große Schnatterer"). 

Gemäß der Kosmonogie von Heliopolis zeugten Geb und Nut die Götter Osiris, Isis, Seth und Nephtys. Diese begründeten das Königtum, indem sie als Familie friedlich herrschten, ehe Osiris von seinem Bruder Seth ermordet wurde. Isis empfing posthum (nach seinem Tod) von Osiris den gemeinsamen Sohn Horus. 

Geb fällte die Entscheidung im Streit zwischen Seth und Horus und erklärte letzteren zum rechtmäßigen Erben des Osiris und zum Herrscher über die Lebenden. Aus diesem Thronanspruch leitete sich das Herrschaftsrecht der Pharaonen ab.

Als Erdgott übernimmt Geb auch die Rolle eines Vegetations- und 
Fruchtbarkeitsgottes: Er bringt Wasser und die Pflanzen hervor.
Für die Toten verkörpert er allerdings einen bösartigen Gott, da er 
die Bestatteten sozusagen in seinem Körper einschließt.
Geb wurde meistens in Menschengestalt (anthropomorph) mit der 
unterägyptischen Krone auf dem Kopf dargestellt, manchmal auch 
mit einer Gans als Kopfschmuck.

 

Nut ist die Himmelsgöttin aus der Schöpfungslehre von Heliopolis.

Abbildungen zeigen Nut, wie sie sich mit Händen und Füssen, die die vier Himmelsrichtungen symbolisieren, in gebeugter Haltung über die Erde (ihren Bruder Geb) wölbt (gestützt von ihrem Vater Schu) und so das Chaos bändigt, aus dem das Universum entstanden ist.

Nut galt nach einigen Texten außerdem als Mutter des Sonnengottes Re, da sie ihn jeden Abend in sich aufnimmt, damit er nachts ihren Leib durchquert, um am nächsten Morgen neugeboren aus ihrem Körper hervorzugehen. Die Göttin Nut wurde ebenfalls als Totengöttin verehrt, die den Leichnam des Königs in ihren Armen empfängt. In dieser Rolle wurde sie auf der Innenseite der Sargdeckel in gewölbter Stellung, über den Verstorbenen gebeugt, dargestellt. Hiermit wurde die Hoffnung verknüpft, durch den Leib der Nut mit dem Neubeginn der Sonnenreise zu neuem Leben erweckt zu werden.

 

Ra (Re) 

Nach einer älteren Lehre ist Re der Sohn von Geb und Nut. Vater Erde und Mutter Himmel zeugen nachts die Sonne = Re, der dann morgens von Nut geboren und abends von ihr wieder aufgenommen wird.

In Helipolis glaubte man hingegen, dass Re weder Vater noch Mutter
hat, sondern sich wie Atum selbst erschaffen hat. Dort verschmolzen
Re und Atum zum Gott Re-Atum, wodurch Re zum Weltschöpfer wurde.

Der Sonnengott Ra wurde meist in menschlicher Gestalt mit einer
leuchtenden Sonnenscheibe auf dem Kopf dargestellt oder in Gestalt
eines Falken mit einer Sonnenscheibe auf dem Kopf, um die sich die
Schlangengöttin windet, welche die todbringenden Kräfte von Re
symbolisiert. In der Unterwelt tritt er als widderköpfiger Gott auf.

 

Die Sonnenbarke auf ihrem
Weg durch die Unterwelt:

Re-Atum steht in einem von
zwei Schlangen bewachten
Pavillon.

Relief aus dem Osiris-Tempel
in Abydos, 19. Dynastie
(um 1340 v. Chr., Neues Reich)

 

Es gibt drei Haupterscheinungsformen des Gottes Ra: 

Als wiedergeborener Gott erscheint Ra am Morgen in der Gestalt des Chepri (Chepre). Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, nimmt er die Gestalt der Sonnenscheibe bzw. des Re-Harachte an und abends, wenn die Sonne untergeht, verkörpert er den Gott Atum. 

Chepri (Chepre) ist der Urgott, "der von Selbst entstanden ist". Die Ägypter sahen in Chepri den Gott, der am frühen Morgen aus der Unterwelt hervorkommt und die Sonnenkugel über den Himmel rollt, so wie ein Mistkäfer eine Mistkugel herumrollt. In alten Darstellungen findet man Chepri in menschlicher Gestalt mit einem Käfer als Kopf, später entstanden Chepri-Amulette in Käferform (Skarabäus, Mistkäfer). Der ursprünglich eigenständige Gott galt schon früh als Erscheinungsform des Atum und wurde durch die Vermischung der Sonnengötter auch mit Re gleichgesetzt. 

Eine andere, besonders in Heliopolis verehrte Form ist die des Re-Harachte. Harachte ist Gott der Morgensonne, sein Name bedeutet „Der Ort, wo die Sonne aufgeht“. Harachte wird als Falke dargestellt, Re-Harachte wird als menschliche Gestalt mit einem Falkenkopf dargestellt. In Heliopolis verkörperte Re-Harachte die Erscheinungsform des Re als Mittagssonne. 

Der Mythos besagt, dass Ra in einer Barke den Himmelsozean überquert, begleitet von seinem Wesir Thot und seiner Tochter Maat. Auf seiner Fahrt durch das Nachtreich (Unterwelt) wird Ra von der Apophisschlange bedroht, vor der ihn Seth beschützt. Apophis ist ein Schlangendämon, ein in der Finsternis hausendes Schlangenungeheuer; Apophis bedeutet „Riesenschlange“. (siehe auch: „Seth“) Das Morgen- und Abendrot wurde als Blut von Aphophis angesehen, welches den Himmel rot färbt.

Re-Harachte in seiner Sonnenbarke
Neues Reich, 19. Dynastie
(um 1340 v. Chr.)

 

 

Isis

Isis ist die Schwester-Gemahlin von Osiris und die Mutter 
von Horus. Sie ist Magierin und Heilerin.
Oft wurde sie als Mutter mit dem Kind Horus auf dem Schoß 
dargestellt. Wegen ihrer mütterlichen Eigenschaften wurde Isis 
manchmal auch in Gestalt einer Sau oder einer Kuh dargestellt
oder, wie die Göttin Hathor, mit einer zwischen Kuhhörnern be-
findlichen Sonnenscheibe auf dem Kopf.
Ursprünglich verkörperte Isis den Thronsitz, in dem die alten 
Ägypter ein göttliches Wesen sahen. Abbildungen zeigen Isis
manchmal auch mit der Hieroglyphe, die Thronsitz bedeutet
auf dem Kopf. 

Der Isis-Kult fand auch über die Grenzen Ägyptens hinaus große Verbreitung. 

Man identifizierte Isis mit dem ägyptischen Thron, da sie und Osiris die ersten Herrscher in einem goldenen Zeitalter gewesen waren und Isis die Mutter von Horus und somit aller nachfolgenden Könige Ägyptens ist. 

Als Osiris von Seth ermordet wurde, erweckte Isis ihren Gatten wieder zum Leben. Sie wurde oft als Vogel dargestellt, der seine Flügel schützend über Osiris ausbreitet. Sie bewahrte ihren Sohn Horus so lange vor den Machenschaften des Gottes Seth, bis er seine Erbe als rechtmäßiger Thronfolger antreten konnte. 

Der Göttin Isis werden magische Kräfte und eine große Beharrlichkeit zugeschrieben. Mit ihren Fähigkeiten hilft sie besonders erkrankten Kindern. Ihre Heilmittel wirken vor allem bei Schlangenbissen und Skorpionstichen.

 

Osiris

Sohn von Geb und Nut, vor seiner Ermordung Vegetationsgott, später Herrscher im Totenreich und Totenrichter. 

Dem Mythos zufolge wurde Osiris von seinem missgünstigen Bruder Seth ermordet. Seine Schwester-Gemahlin Isis suchte seine Leiche und in einer Barke wurde der tote Osiris zu Grabe getragen. Isis schwebte als Sperberweibchen über dem toten Osiris und empfing posthum den gemeinsamen Sohn Horus. Die Zauberkräfte der Isis bewahrten den Leichnam des Osiris vor der Verwesung, so dass der Gott in der Unterwelt zu neuem Leben auferstehen konnte. Er herrscht über das Reich der Toten, bewachte den Zutritt der Verstorbenen in die Unterwelt und verkörpert die Sonne in ihrer nächtlichen Form. Als Symbol der Wiederauferstehung wurde Osiris von zahlreichen Anhängern seines Kults verehrt. 

Osiris zählt zu den bedeutendsten Gottheiten des alten Ägypten. Seine einstige Rolle als Fruchtbarkeitsgott zeigt sich in der Symbolik des ihm zugeordneten Getreidekorns mit seinem natürlichen Wachstumskreislauf:

Die Saatkörner werden in die Erde gegeben (Begräbnis), 
ruhen einige Zeit im Dunkeln (Unterwelt) und keimen dann
zu einer neuen Saat auf (Auferstehung).
Nachdem sich der Osiris-Kult immer weiter ausbreitete,
nahm Osiris das Wesen anderer Gottheiten an, die er 
schließlich ganz verdrängte. 
Osiris hatte einen starken Bezug zum Königtum und 
wurde daher gewöhnlich mit den Königsinsignien 
Geißel und Krummstab dargestellt.

Hauptkultort von Osiris war Abydos (ca. 150 km nördlich von Luxor in Oberägypten). Der Legende nach fand Isis in Abydos den Kopf von Osiris, der dort begraben war und in Abydos hatte auch die Auferstehung von Osiris stattgefunden. Daher legten viele Ägypter hier ihre eigenen Gräber oder zumindest Scheingräber an oder stellten Erinnerungsstelen auf (Stele = „Säule“, senkrecht im Boden stehende schmale Steinplatte), um an der Auferstehung teilzunehmen. 

Der symbolische "Weg nach Abydos" wurde zum Bestandteil der Begräbnisrituale. (siehe: Der Totenkult der alten Ägypter ® „Das Bestattungsritual“)

 

Das Osireion in Abydos:
Ein "Osiris-Grab" als wasserum-
spülte Insel, vielleicht dem Urhügel
der Schöpfungsgeschichte nach-
empfunden.
 
Nephtys
Tochter von Geb und Nut.
Nephtys ist dieSchwester-Gemahlin von Seth. Ihr Name, deren 
Hieroglyphe sie auf Abbildungen auf dem Kopf trägt, bedeutet
"Herrin des Hauses".
Gemeinsam mit Isis geleitet Nephtys die Verstorbenen in das 
Reich der Toten und trauert um sie, wie sie es um ihren Bruder 
Osiris getan hatte. Nephtys galt somit als Totengöttin.

In einigen Texten erscheint Nephtys als Mutter von Anubis (Gott der Einbalsamierer und Beschützer der Verstorbenen), den sie in der Gestalt von Isis mit Osiris gezeugt hat.

 

Seth

Der Gott Seth galt als Stifter von Chaos und Unfrieden und 
wurde durch ein seltsames Tier mit einer langen Nase, 
eckig abgeschnittenen Ohren und pfeilähnlichem Schwanz 
dargestellt, das sogenannte Sethtier.
Er ist eines der vier Kinder der Nut und des Geb und Bruder-
gemahl der Nephtys, Er ist der Herr der Wüste und somit 
Widersacher seines Bruders Osiris, der vor der Ermordung 
durch Seth Vegetations- und Fruchtbarkeitsgott war.

Der Bruderstreit, der die ständige Auseinandersetzung in der Welt widerspiegelte, endete damit, dass Seth seinen älteren Bruder Osiris ermordete, um sich der Herrschaft über das Königreich Ägypten zu bemächtigen. Während dieses Zweikampfes war sich Seth der Unterstützung des Re gewiss, da dieser wusste, dass nur Seth die Apophisschlange besiegen kann, die jede Nacht die Sonnenbarke von Re bedroht. Seth beschützt die Barke von Re und bezwingt Apophis mit seiner Stärke und seinen magischen Kräften.

Apophis verkörpert die Finsternis, das Böse und das Chaos. Er wird von Seth zwar besiegt, aber nie zerstört (siehe auch „Re“). Auch wenn Seth an dieser Stelle als Gegner von Apophis auftritt, verkörpert er ansonsten, ebenso wie Apophis, die feindlichen Kräfte, deren Ziel die Zerstörung der bestehenden Götter-Ordnung ist. In der ägyptischen Spätzeit wurde Seth gelegentlich mit Apophis gleichgesetzt. 

 

Horus 

Heliopolis: Sohn von Isis und Osiris

Horus ist ein Himmelsgott, sein Name  bedeutet: "Der oben Befindliche, Ferne".

Er wurde in der Gestalt eines Falken dargestellt. Seine Augen sind Sonne und Mond.

Jeder Pharao nannte sich Horus, da der Himmelsfalke mit dem König gleichgesetzt wurde. Da Horus das Sonnenauge trägt, wurde er auch mit Re gleichgesetzt.

Der Hauptkultort von Horus war Edfu (Stadt in Oberägypten), wo er in einem nach ihm benannten Tempel verehrt wurde. In Edfu wurde auch seine Gemahlin Hathor verehrt. 

Der gesamte Mythos des Horus ist sehr kompliziert und vielschichtig, so dass die verschiedenen Erzählungen, ebenso wie bei anderen ägyptischen Gottheiten, verwirrend und manchmal sogar widersprüchlich sind. 

Streit zwischen Seth und Horus: siehe Der Totenkult der alten Ägypter ® „Amulette“ ® „Udjat-Auge“ 

Horussöhne (Kanopengötter): siehe Der Totenkult der alten Ägypter ® „Kanopen“

 

 

Hathor

 

Hathor ist die Göttin der Freude, der Liebe, der Fruchtbarkeit, der 
Musik und des Tanzes, aber auch eine Himmelsgöttin. Sie wurde
meistens als Kuh mit einer Sonnenscheibe zwischen den Hörnern 
oder als Frau mit den Ohren einer Kuh abgebildet.
Hathor wird mit vielen anderen Göttinnen identifiziert, insbesondere 
mit Isis und Nut.
Der Hauptkultort von Hathor war Dendera (Stadt in Oberägypten), 
wo ihr zu Ehren ein gewaltiger Tempel errichtet wurde.
 
Der Tempel ist heute noch gut erhalten.
Der Mythos besagt, dass Hathor von 
diesem Tempel aus einmal im Jahr eine 
Bootsfahrt auf dem Nil unternahm, um 
ihren Gemahl Horus in Edfu zu besuchen. 
Dieses alljährliche Ereignis entwickelte sich 
zu einer beliebten Pilgerreise und einem 
fröhlichen Fest.

 

Nach der Mythologie von Dendera ist Hathor die Tochter des Sonnengottes Re und hat mit ihm Horus gezeugt, während nach der Mythologie von Heliopolis Horus der Sohn von Isis und Osiris ist. 

 

Osiris-Sage 

Osiris gilt als Schöpfer der ägyptischen Kultur, denn er brachte Ackerbau und Viehzucht ins Land und befreite dadurch die Bewohner des Niltals aus Not und Elend. Osiris wohnte die aus der Erde wirkende Kraft inne, welche die Nilüberschwemmung hervorrief und er war der Herrscher über das Königreich Ägypten. Er war im ständigen Streit mit seinem Bruder Seth, dem Herr der Wüste. 

Seth war neidisch auf Osiris und wollte selbst König sein. Seth überlegte sich eine List, um seinen Bruder aus dem Weg zu räumen. Er fertigte einen prachtvollen Sarkophag (Mumiensarg) aus Holz mit den Körpermaßen von Osiris an. Bei einem Festmahl bot Seth den Sarkophag demjenigen als Geschenk an, der genau hineinpasste. Auch Osiris probierte den Sarkophag aus und Seth warf den Deckel auf den Sarg, nagelte ihn zu, übergoss ihn mit flüssigem Blei und warf ihn in den Nil, wo er davon schwamm. 

Als Isis, die Schwester und Gemahlin von Osiris, erfahren hatte, was geschehen war, begab sich auf die Suche nach ihrem toten Bruder und fand den Sarg auch schließlich in Byblos (Ort im Staat Libanon, an der Küste nördlich von Beirut gelegen). Isis brachte den Sarkophag heim nach Ägypten, um ihren toten Bruder-Gemahl zu bestatten, aber sie wurde von Seth überrascht. 

Seth stürzte sich auf den Leichnam von Osiris und zerstückelte ihn in vierzehn Teile und verstreute die Leichenteile über ganz Ägypten. Isis sammelte alle Leichenteile mit Ausnahme des Penis, der nicht aufzufinden bzw. von Fischen gefressen worden war, wieder ein und setzte Osiris wieder zusammen. 

Als der tote Osiris in einer Barke zu Grabe getragen wurde, schwebte Isis als Sperberweibchen über ihm und empfing den Sohn Horus. In der Unterwelt konnte Osiris zu neuem Leben auferstehen, weil Isis durch ihre Zauberkräfte verhindert hatte, dass sein Leichnam verweste.

 

Totenklage der Schwestern Isis und Nephtys

(Quelle: Philipp Vandenberg: „Rames der Große“) 

Der Text stammt aus einem Papyrus über die Osiris-Mysterien (geheime religiöse Feiern, die die Ermordung und Zerstückelung des Osiris bis hin zu seiner Wiederbelebung verkörperten). 

Dabei verkörperten zwei jungfräuliche Mädchen Isis und Nephtys und Priester Osiris, nachdem sich die Beteiligten nach rituellen Waschungen, Trank- und Brandopfern, Gebeten, Gesängen und ekstatischen Tänzen als Vorbereitung auf die sakrale Zeremonie in Trance befanden.

 

Isis:                             Wie sehe ich mich, Dich zu sehen!
                                    Ich bin Deine Schwester Isis, die Dein Herz liebt.
                                    Ich sehne mich nach Deiner Liebe, der Du entfernt bist.
                                    Ich überschwemme das Land heute mit Tränen!

 

Isis und Nephtys:      Komme, Geliebter, zu uns!
                                   Das Leben entflieht uns, wenn wir Dich entbehren.
                                   Komme doch in Frieden, o unser Herr, dass wir Dich sehen,
                                   Herr, komme in Frieden!
                                   Vertreibe die Trauer von unserem Haus
                                   und geselle Dich zu uns als Mann.

Isis:                             Ich bin eine Frau, die nützlich für ihren Bruder ist,
                                   Deine Frau und Schwester von Deiner Mutter,
                                   komm schnell zu mir!
                                   Seit ich Dein Antlitz zu sehen wünsche,
                                   nachdem ich es nicht mehr sehe,
                                   ist Dunkelheit hier bei uns vor meinem Antlitz,
                                   auch wenn Re am Himmel ist!
                                   Der Himmel hat sich mit der Erde vermischt
                                   und dadurch heute Schatten über das Land gebracht.
                                   Mein Herz ist heiß über Deine Trennung,
                                   mein Herz ist heiß, weil Du mit den Rücken gekehrt hast,
                                   obwohl ich keine Schuld habe,
                                   die Du gegen mich gefunden hättest!

 

 

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