Die Götter-Neunheit (Enneade) von Heliopolis
Heliopolis
(On, Iunu)
Iunu
(„Stadt des Pfeilers“) war eine alte Stadt in Ägypten, die von den Griechen
Heliopolis („Sonnenstadt“) genannt wurde, nach ihrem Sonnengott Helios, den
sie in dem ägyptischen Gott Atum bzw. Re sahen. In der Bibel wird die Stadt On
genannt.
Während
der 5. Dynastie (ca. 2480 – 2350 v. Chr.) in Alten Reich wuchs der Kult des
Sonnengottes Re (Ra) und damit auch die Bedeutung von Heliopolis zu einem
politisch und spirituell mächtigen Zentrum.
Die Ruinenstätte von Heliopolis liegt nordöstlich von Kairo. Einstmals war Heliopolis die Hauptstadt des 13. unterägyptischen Gaus, übriggeblieben ist leider nur noch ein Obelisk (ca. 20,4 m hoch, Abb. unten).
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Obelisken waren ein Symbol für den Sonnengott Ra (Re), in der oberen pyramidenförmigen Spitze sollte er sich niederlassen können. Der Granit-Obelisk in Heliopolis, der heute in der Nähe des Flugplatzes von Kairo steht, wurde von dem Pharao Sesostris I., (12 Dynastie, Mittleres Reich) ca. 1960 v. Chr. errichtet und gehörte zum Komplex des Sonnentempels. Der Tempel von Heliopolis war einer der größten Ägyptens. Er war den Sonnen- göttern Atum und Re geweiht. Die beiden eigenständigen Götter flossen mit der Zeit ineinander und wurden als Atum-Re bzw. Re-Atum bezeichnet. |
Der Tempel beinhaltete zwei getrennte Heiligtümer. Es sind Schriftstücke gefunden worden, die belegen, dass die Götter zwar getrennt aufgeführt aber gemeinsam angesprochen wurden.
Götter-Neunheit (Enneade)
von Heliopolis
Die Priester von Heliopolis entwickelten eine Kosmonogie über den Schöpfergott Nun und die Gruppe der neun Urgötter:
Atum
Schu und Tefnut (Tefnet)
Geb und Nut
Isis und Osiris, Nephtys und Seth
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Nun
Der
Gott Nun verkörpert die Urgewässer des Nichts (Urchaos), aus denen in den
Entstehungsmythen von Heliopolis der Schöpfergott Atum hervorging sowie das
erste Land, der Urhügel. In einigen Texten heißt es, dass Heliopolis bzw. der
Sonnentempel auf dem Urhügel erbaut worden sei. Nun ist ein in die Zeit des
Chaos zurückreichender Urgott, weswegen er den Beinamen „Vater der Götter“
hat. Darstellungen zeigen Nun mit einem Froschkopf. Nachdem Atum aus dem Wasser
des Nun entstiegen war, bestand die Aufgabe von Nun lediglich darin, mit seiner
Präsenz an die Gefahr zu erinnern, dass er den Kosmos ein weiteres Mal ins
Urchaos stürzen könnte.
Atum
Der Gott Atum hat sich selbst geschaffen und war aus dem Urgewässer des Nun entstiegen, er ist der Weltschöpfer. In einigen alten Texten wurde er mit dem Urhügel gleichgesetzt, der aus Nun hervorging. Der Name Atum bedeutet „Der noch nicht Vollendete“ oder auch „Der Nichtseiende“. Über die Erschaffung des ersten Götterpaares und der Menschen durch Atum gibt es unterschiedliche Auslegungen. Atum erschuf seinen Sohn Schu und seine Tochter Tefnut (Tefnet), indem er ihn ausatmete und sie ausspuckte bzw. durch Selbstbegattung mit seinem Schatten bzw. durch Masturbation. Die bei der Masturbation beteiligte Hand wird durch die Göttin Jusas personifiziert als das weibliche Element in Atum bzw. als die "Götterhand". Aus seinen Tränen bzw. seinem Schweiß erschuf Atum die Menschen.
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Darstellungen zeigen Atum meist in Menschengestalt, die Doppelkrone Ägyptens tragend. |
Atum wurde als Gott der untergehenden Sonne verehrt bzw. als abendlicher Aspekt des Sonnengottes. Seine Tiergestalten waren der Skarabäus, die Schlange und in späterer Zeit das Ichneumon (Name der ägyptischen Rasse eines marderartigen Raubtiers, graue Schleichkatze).
Schu und Tefnut (Tefnet)
Kinder des Gottes Atum.
Die Göttin Tefnut (Tefnet) ist die Göttin der Feuchtigkeit und Schwester des Luftgottes Schu . Die beiden Geschwister waren die ersten Gottheiten, die aus dem Körper des Atum hervorgegangen sind. Mit ihr und ihrem Brudergemahl Schu entstand die Zweiheit und Zweigeschlechtlichkeit, die aus der Einheit ihres Vaters Atum geschaffen wurde, der zuvor der „Einherr“ war. Sie bilden das "Paar, das die Götter gezeugt hat". Aus beiden ging das Götterpaar Geb und Nut hervor.
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Tefnut wurde als menschliche
Gestalt mit einem Löwenkopf dargestellt, als Kopfbedeckung trägt sie
eine Sonnenscheibe, die von zwei Schlangen umringt ist. Tefnut wurde das
Mondauge zugeordnet, sie kann aber durch mythische Querverbindungen auch
zum Sonnenauge werden, welches als Uräusschlange erscheint.
Tefnut hat die Beinamen: Herrin der Schlange, Stirnschlange am Haupte aller Götter. |
Die Uräusschlange (Kobra) war ein altägyptisches Machtsymbol von Göttern und Königen. Die griechische Bezeichnung Uräus ist aus dem ägyptischen Wort „Die sich Aufbäumende“ abgeleitet worden. Die Pharaonen trugen an ihren Kronen an der Stirn eine Figur, die eine aufgerichtete Kobra darstellte, diese Stirnschlange wurde als Uräus bezeichnet.
Auch die Götter wurden oft mit der Uräusschlange abgebildet. Die Uräusschlange war ein Herrschafts- und Schutzsymbol. Die Kobra wurde durch die schlangengestaltige Göttin Wadjit (Wagjet) personifiziert, der Schutzgöttin von Unterägypten. In der altägyptischen Mythologie bestand eine Verbindung zwischen der Uräusschlage und dem Auge des Re (Sonnenauge).
Die Uräusschlange war somit auch ein Symbol für das Sonnenauge. Viele Göttinnen
wurden mit der Uräusschlange identifiziert und somit mit dem Sonnenauge in
Verbindung gebracht, u.a. auch die Göttin Sachmet (siehe: Triade von
Memphis ®
„Sachmet“ und auch Der Totenkult der alten Ägypter
®
„Amulette“
®
„Udjat-Auge“).
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Schu als menschengestaltiger Gott hält den Himmel hoch. Sein Name bedeutet "Leere". Als Gott der Luft verkörpert er den Raum zwischen Himmel und Erde, den die Sonnenstrahlen durchdringen. Er stützt seine Tochter Nut, die Göttin des Himmels, väterlich nach oben und trennt sie damit von der Erde. |
Durch die Gleichsetzung von Atum mit dem Sonnengott Re wird Schu auch „Sohn des Re“ genannt und wird als solcher mit einem Löwenkopf dargestellt.
Geb
und Nut
Kinder von
Schu und Tefnut.
Der Erdgott
Geb ist der Bruder und Gatte der Himmelsgöttin Nut. Einem alten Mythos zufolge
zeugten Geb und Nut die Sonne. Es gibt auch Überlieferungen, wonach Geb in
Gestalt einer Gans das kosmische Ur-Ei legte, aus dem die Sonne geboren
wurde (siehe: Götter-Achtheit von Hermopolis ®
"Der große Schnatterer").
Gemäß der
Kosmonogie von Heliopolis zeugten Geb und Nut die Götter Osiris, Isis, Seth und
Nephtys. Diese begründeten das Königtum, indem sie als Familie friedlich
herrschten, ehe Osiris von seinem Bruder Seth ermordet wurde. Isis empfing
posthum (nach seinem Tod) von Osiris den gemeinsamen Sohn Horus.
Geb fällte die Entscheidung im Streit zwischen Seth und Horus und erklärte letzteren zum rechtmäßigen Erben des Osiris und zum Herrscher über die Lebenden. Aus diesem Thronanspruch leitete sich das Herrschaftsrecht der Pharaonen ab.
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Als Erdgott übernimmt Geb auch die Rolle eines Vegetations- und Fruchtbarkeitsgottes: Er bringt Wasser und die Pflanzen hervor. Für die Toten verkörpert er allerdings einen bösartigen Gott, da er die Bestatteten sozusagen in seinem Körper einschließt. Geb wurde meistens in Menschengestalt (anthropomorph) mit der unterägyptischen Krone auf dem Kopf dargestellt, manchmal auch mit einer Gans als Kopfschmuck. |
Nut ist die Himmelsgöttin aus der Schöpfungslehre von Heliopolis.
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Abbildungen zeigen Nut, wie sie sich mit Händen und Füssen, die die vier Himmelsrichtungen symbolisieren, in gebeugter Haltung über die Erde (ihren Bruder Geb) wölbt (gestützt von ihrem Vater Schu) und so das Chaos bändigt, aus dem das Universum entstanden ist. |
Nut galt nach einigen Texten außerdem als Mutter des Sonnengottes Re, da sie ihn jeden Abend in sich aufnimmt, damit er nachts ihren Leib durchquert, um am nächsten Morgen neugeboren aus ihrem Körper hervorzugehen. Die Göttin Nut wurde ebenfalls als Totengöttin verehrt, die den Leichnam des Königs in ihren Armen empfängt. In dieser Rolle wurde sie auf der Innenseite der Sargdeckel in gewölbter Stellung, über den Verstorbenen gebeugt, dargestellt. Hiermit wurde die Hoffnung verknüpft, durch den Leib der Nut mit dem Neubeginn der Sonnenreise zu neuem Leben erweckt zu werden.
Ra (Re)
Nach einer älteren Lehre ist Re der Sohn von Geb und Nut. Vater Erde und Mutter Himmel zeugen nachts die Sonne = Re, der dann morgens von Nut geboren und abends von ihr wieder aufgenommen wird.
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In Helipolis glaubte man
hingegen, dass Re weder Vater noch Mutter hat, sondern sich wie Atum selbst erschaffen hat. Dort verschmolzen Re und Atum zum Gott Re-Atum, wodurch Re zum Weltschöpfer wurde. Der Sonnengott Ra wurde meist in
menschlicher Gestalt mit einer |
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Die Sonnenbarke auf ihrem Weg durch die Unterwelt: Re-Atum steht in einem von Relief aus dem Osiris-Tempel |
Es gibt drei
Haupterscheinungsformen des Gottes Ra:
Als
wiedergeborener Gott erscheint Ra am Morgen in der Gestalt des Chepri (Chepre). Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, nimmt er die Gestalt der
Sonnenscheibe bzw. des Re-Harachte an und abends, wenn
die Sonne untergeht, verkörpert er den Gott Atum.
Chepri
(Chepre) ist der Urgott, "der von
Selbst entstanden ist". Die Ägypter sahen in Chepri den Gott, der am frühen
Morgen aus der Unterwelt hervorkommt und die Sonnenkugel über den Himmel rollt,
so wie ein Mistkäfer eine Mistkugel herumrollt. In alten Darstellungen findet
man Chepri in menschlicher Gestalt mit einem Käfer als Kopf, später entstanden
Chepri-Amulette in Käferform (Skarabäus, Mistkäfer). Der ursprünglich
eigenständige Gott galt schon früh als Erscheinungsform des Atum und wurde
durch die Vermischung der Sonnengötter auch mit Re gleichgesetzt.
Eine
andere, besonders in Heliopolis verehrte Form ist die des Re-Harachte. Harachte
ist Gott der Morgensonne, sein Name bedeutet „Der Ort, wo die Sonne
aufgeht“. Harachte wird als Falke dargestellt, Re-Harachte wird als
menschliche Gestalt mit einem Falkenkopf dargestellt. In Heliopolis verkörperte
Re-Harachte die Erscheinungsform des Re als Mittagssonne.
Der Mythos besagt, dass Ra in einer Barke den Himmelsozean überquert, begleitet von seinem Wesir Thot und seiner Tochter Maat. Auf seiner Fahrt durch das Nachtreich (Unterwelt) wird Ra von der Apophisschlange bedroht, vor der ihn Seth beschützt. Apophis ist ein Schlangendämon, ein in der Finsternis hausendes Schlangenungeheuer; Apophis bedeutet „Riesenschlange“. (siehe auch: „Seth“) Das Morgen- und Abendrot wurde als Blut von Aphophis angesehen, welches den Himmel rot färbt.
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Re-Harachte in seiner
Sonnenbarke Neues Reich, 19. Dynastie (um 1340 v. Chr.) |
Isis
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Isis ist die Schwester-Gemahlin von Osiris und die Mutter von Horus. Sie ist Magierin und Heilerin. Oft wurde sie als Mutter mit dem Kind Horus auf dem Schoß dargestellt. Wegen ihrer mütterlichen Eigenschaften wurde Isis manchmal auch in Gestalt einer Sau oder einer Kuh dargestellt oder, wie die Göttin Hathor, mit einer zwischen Kuhhörnern be- findlichen Sonnenscheibe auf dem Kopf. Ursprünglich verkörperte Isis den Thronsitz, in dem die alten Ägypter ein göttliches Wesen sahen. Abbildungen zeigen Isis manchmal auch mit der Hieroglyphe, die Thronsitz bedeutet auf dem Kopf. |
Der Isis-Kult fand auch über
die Grenzen Ägyptens hinaus große Verbreitung.
Man identifizierte Isis mit dem
ägyptischen Thron, da sie und Osiris die ersten Herrscher in einem goldenen
Zeitalter gewesen waren und Isis die Mutter von Horus und somit aller
nachfolgenden Könige Ägyptens ist.
Als
Osiris von Seth ermordet wurde, erweckte Isis ihren Gatten wieder zum Leben. Sie
wurde oft als Vogel dargestellt, der seine Flügel schützend über Osiris
ausbreitet. Sie bewahrte ihren Sohn Horus so lange vor den Machenschaften des
Gottes Seth, bis er seine Erbe als rechtmäßiger Thronfolger antreten konnte.
Der Göttin Isis werden magische Kräfte und eine große Beharrlichkeit zugeschrieben. Mit ihren Fähigkeiten hilft sie besonders erkrankten Kindern. Ihre Heilmittel wirken vor allem bei Schlangenbissen und Skorpionstichen.
Sohn
von Geb und Nut, vor seiner Ermordung Vegetationsgott, später Herrscher im
Totenreich und Totenrichter.
Dem Mythos zufolge wurde
Osiris von seinem missgünstigen Bruder Seth ermordet. Seine Schwester-Gemahlin
Isis suchte seine Leiche und in einer Barke wurde der tote Osiris zu Grabe
getragen. Isis schwebte als Sperberweibchen über dem toten Osiris und empfing
posthum den gemeinsamen Sohn Horus. Die Zauberkräfte der Isis bewahrten den
Leichnam des Osiris vor der Verwesung, so dass der Gott in der Unterwelt zu
neuem Leben auferstehen konnte. Er herrscht über das Reich der Toten, bewachte
den Zutritt der Verstorbenen in die Unterwelt und verkörpert die Sonne in ihrer
nächtlichen Form. Als Symbol der Wiederauferstehung wurde Osiris von
zahlreichen Anhängern seines Kults verehrt.
Osiris zählt zu den bedeutendsten Gottheiten des alten Ägypten. Seine einstige Rolle als Fruchtbarkeitsgott zeigt sich in der Symbolik des ihm zugeordneten Getreidekorns mit seinem natürlichen Wachstumskreislauf:
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Die Saatkörner werden in die Erde gegeben (Begräbnis), ruhen einige Zeit im Dunkeln (Unterwelt) und keimen dann zu einer neuen Saat auf (Auferstehung). Nachdem sich der Osiris-Kult immer weiter ausbreitete, nahm Osiris das Wesen anderer Gottheiten an, die er schließlich ganz verdrängte. Osiris hatte einen starken Bezug zum Königtum und wurde daher gewöhnlich mit den Königsinsignien Geißel und Krummstab dargestellt. |
Hauptkultort von Osiris war
Abydos (ca. 150 km nördlich von Luxor in Oberägypten). Der Legende nach fand
Isis in Abydos den Kopf von Osiris, der dort begraben war und in Abydos hatte
auch die Auferstehung von Osiris stattgefunden. Daher legten viele Ägypter hier
ihre eigenen Gräber oder zumindest Scheingräber an oder stellten
Erinnerungsstelen auf (Stele = „Säule“, senkrecht im Boden stehende schmale
Steinplatte), um an der Auferstehung teilzunehmen.
Der symbolische "Weg nach Abydos" wurde zum Bestandteil der Begräbnisrituale. (siehe: Der Totenkult der alten Ägypter ® „Das Bestattungsritual“)
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Das Osireion in Abydos: Ein "Osiris-Grab" als wasserum- spülte Insel, vielleicht dem Urhügel der Schöpfungsgeschichte nach- empfunden. |
Nephtys
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Tochter von Geb und Nut. Nephtys ist dieSchwester-Gemahlin von Seth. Ihr Name, deren Hieroglyphe sie auf Abbildungen auf dem Kopf trägt, bedeutet "Herrin des Hauses". Gemeinsam mit Isis geleitet Nephtys die Verstorbenen in das Reich der Toten und trauert um sie, wie sie es um ihren Bruder Osiris getan hatte. Nephtys galt somit als Totengöttin. |
In einigen Texten erscheint Nephtys als Mutter von Anubis (Gott der Einbalsamierer und Beschützer der Verstorbenen), den sie in der Gestalt von Isis mit Osiris gezeugt hat.
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Der Gott Seth galt als Stifter von Chaos und Unfrieden und wurde durch ein seltsames Tier mit einer langen Nase, eckig abgeschnittenen Ohren und pfeilähnlichem Schwanz dargestellt, das sogenannte Sethtier. Er ist eines der vier Kinder der Nut und des Geb und Bruder- gemahl der Nephtys, Er ist der Herr der Wüste und somit Widersacher seines Bruders Osiris, der vor der Ermordung durch Seth Vegetations- und Fruchtbarkeitsgott war. |
Der Bruderstreit, der die ständige Auseinandersetzung in der Welt widerspiegelte, endete damit, dass Seth seinen älteren Bruder Osiris ermordete, um sich der Herrschaft über das Königreich Ägypten zu bemächtigen. Während dieses Zweikampfes war sich Seth der Unterstützung des Re gewiss, da dieser wusste, dass nur Seth die Apophisschlange besiegen kann, die jede Nacht die Sonnenbarke von Re bedroht. Seth beschützt die Barke von Re und bezwingt Apophis mit seiner Stärke und seinen magischen Kräften.
Apophis verkörpert die Finsternis, das Böse und das Chaos. Er wird von Seth zwar besiegt, aber nie zerstört (siehe auch „Re“). Auch wenn Seth an dieser Stelle als Gegner von Apophis auftritt, verkörpert er ansonsten, ebenso wie Apophis, die feindlichen Kräfte, deren Ziel die Zerstörung der bestehenden Götter-Ordnung ist. In der ägyptischen Spätzeit wurde Seth gelegentlich mit Apophis gleichgesetzt.
Heliopolis: Sohn von Isis und Osiris
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Horus ist ein
Himmelsgott, sein Name bedeutet: "Der
oben Befindliche, Ferne".
Er wurde in der Gestalt eines Falken dargestellt. Seine Augen sind Sonne und Mond. Jeder Pharao nannte sich Horus, da der Himmelsfalke mit dem König gleichgesetzt wurde. Da Horus das Sonnenauge trägt, wurde er auch mit Re gleichgesetzt. |
Der Hauptkultort von Horus war
Edfu (Stadt in Oberägypten), wo er in einem nach ihm benannten Tempel verehrt
wurde. In Edfu wurde auch seine Gemahlin Hathor verehrt.
Der gesamte Mythos des Horus
ist sehr kompliziert und vielschichtig, so dass die verschiedenen Erzählungen,
ebenso wie bei anderen ägyptischen Gottheiten, verwirrend und manchmal sogar
widersprüchlich sind.
Streit
zwischen Seth und Horus: siehe Der Totenkult der alten Ägypter
®
„Amulette“ ®
„Udjat-Auge“
Horussöhne (Kanopengötter): siehe Der Totenkult der alten Ägypter ® „Kanopen“
Hathor
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Hathor ist die Göttin der Freude, der Liebe, der Fruchtbarkeit, der Musik und des Tanzes, aber auch eine Himmelsgöttin. Sie wurde meistens als Kuh mit einer Sonnenscheibe zwischen den Hörnern oder als Frau mit den Ohren einer Kuh abgebildet. Hathor wird mit vielen anderen Göttinnen identifiziert, insbesondere mit Isis und Nut. Der Hauptkultort von Hathor war Dendera (Stadt in Oberägypten), wo ihr zu Ehren ein gewaltiger Tempel errichtet wurde. |
Der Tempel ist heute noch gut erhalten.
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Der Mythos besagt, dass Hathor von diesem Tempel aus einmal im Jahr eine Bootsfahrt auf dem Nil unternahm, um ihren Gemahl Horus in Edfu zu besuchen. Dieses alljährliche Ereignis entwickelte sich zu einer beliebten Pilgerreise und einem fröhlichen Fest.
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Nach
der Mythologie von Dendera ist Hathor die Tochter des Sonnengottes Re und hat
mit ihm Horus gezeugt, während nach der Mythologie von Heliopolis Horus der
Sohn von Isis und Osiris ist.
Osiris
gilt als Schöpfer der ägyptischen Kultur, denn er brachte Ackerbau und
Viehzucht ins Land und befreite dadurch die Bewohner des Niltals aus Not und
Elend. Osiris wohnte die aus der Erde wirkende Kraft inne, welche die Nilüberschwemmung
hervorrief und er war der Herrscher über das Königreich Ägypten. Er war im ständigen
Streit mit seinem Bruder Seth, dem Herr der Wüste.
Seth war neidisch auf Osiris
und wollte selbst König sein. Seth überlegte sich eine List, um seinen Bruder
aus dem Weg zu räumen. Er fertigte einen prachtvollen Sarkophag (Mumiensarg)
aus Holz mit den Körpermaßen von Osiris an. Bei einem Festmahl bot Seth den
Sarkophag demjenigen als Geschenk an, der genau hineinpasste. Auch Osiris
probierte den Sarkophag aus und Seth warf den Deckel auf den Sarg, nagelte ihn
zu, übergoss ihn mit flüssigem Blei und warf ihn in den Nil, wo er davon
schwamm.
Als Isis, die Schwester und
Gemahlin von Osiris, erfahren hatte, was geschehen war, begab sich auf die Suche
nach ihrem toten Bruder und fand den Sarg auch schließlich in Byblos (Ort im
Staat Libanon, an der Küste nördlich von Beirut gelegen). Isis brachte den
Sarkophag heim nach Ägypten, um ihren toten Bruder-Gemahl zu bestatten, aber sie
wurde von Seth überrascht.
Seth stürzte sich auf den
Leichnam von Osiris und zerstückelte ihn in vierzehn Teile und verstreute die
Leichenteile über ganz Ägypten. Isis sammelte alle Leichenteile mit Ausnahme
des Penis, der nicht aufzufinden bzw. von Fischen gefressen worden war, wieder
ein und setzte Osiris wieder zusammen.
Als der tote Osiris in einer Barke zu Grabe getragen wurde, schwebte Isis als Sperberweibchen über ihm und empfing den Sohn Horus. In der Unterwelt konnte Osiris zu neuem Leben auferstehen, weil Isis durch ihre Zauberkräfte verhindert hatte, dass sein Leichnam verweste.
(Quelle: Philipp Vandenberg:
„Rames der Große“)
Der
Text stammt aus einem Papyrus über die Osiris-Mysterien (geheime religiöse
Feiern, die die Ermordung und Zerstückelung des Osiris bis hin zu seiner
Wiederbelebung verkörperten).
Dabei verkörperten zwei jungfräuliche Mädchen Isis und Nephtys und Priester Osiris, nachdem sich die Beteiligten nach rituellen Waschungen, Trank- und Brandopfern, Gebeten, Gesängen und ekstatischen Tänzen als Vorbereitung auf die sakrale Zeremonie in Trance befanden.
Isis:
Wie sehe ich mich, Dich zu sehen!
Ich bin Deine Schwester Isis, die Dein Herz liebt.
Ich sehne mich nach Deiner Liebe, der Du entfernt bist.
Ich überschwemme das Land heute mit Tränen!
Isis und Nephtys:
Komme, Geliebter, zu uns!
Das Leben entflieht uns, wenn wir Dich entbehren.
Komme doch in Frieden, o unser Herr, dass wir Dich sehen,
Herr, komme in Frieden!
Vertreibe die Trauer von unserem Haus
und geselle Dich zu uns als Mann.
Isis:
Ich bin eine Frau, die nützlich für ihren Bruder ist,
Deine Frau und Schwester von Deiner Mutter,
komm schnell zu mir!
Seit ich Dein Antlitz zu sehen wünsche,
nachdem ich es nicht mehr sehe,
ist Dunkelheit hier bei uns vor meinem Antlitz,
auch wenn Re am Himmel ist!
Der Himmel hat sich mit der Erde vermischt
und dadurch heute Schatten über das Land gebracht.
Mein Herz ist heiß über Deine Trennung,
mein Herz ist heiß, weil Du mit den Rücken gekehrt hast,
obwohl ich keine Schuld habe,
die Du gegen mich gefunden hättest!