Einführung
Ägypten
liegt in Nordafrika und besteht zum größten Teil aus unfruchtbarer Wüste, nur
schmale Streifen entlang des Nils sind durch die Nilüberschwemmungen fruchtbare
Gebiete.
Die alten Ägypter nannten ihr Land Kemet („Schwarzes Land“), womit der schwarze Nilschlamm gemeint war. Das Land hinter Kemet, also die Wüste wurde Deschret genannt („Rotes Land“) Ab ca. 3000 v. Chr. entwickelten sich die ersten Siedlungen und Städte in den fruchtbaren Gebieten. Unterägypten war das Gebiet im weiten Nil-Delta und Oberägypten das Gebiet im schmalen Niltal. Bei Memphis, einer altägyptischen Stadt an der unteren Spitze des Nil-Deltas, trafen Unter- und Oberägypten aufeinander.
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Der
Nil ist der längste Fluss der Erde (über 6000 km). Er spielte für die
alten Ägypter eine zentrale Rolle, da die Nilüberschwemmungen lebensnotwendig
waren. Ohne den Nil mit seinen das Land fruchtbar machenden Überflutungen hätte
sich die uns bekannte ägyptische Hochkultur gar nicht entwickeln können. Für
die alten Ägypter war der Nil die Personifikation des Gottes Hapi und ein
wichtiger Bestandteil der religiösen Vorstellungen.
Auch
der Kalender der alten Ägypter richtete sich nach dem Nil. Das Jahr
wurde in drei Jahreszeiten mit jeweils 4 Montaten eingeteilt, Jahresbeginn war
die Nilüberschwemmung. Die alten Ägypter wussten bereits, dass der sogenannte
heliakische Aufgang des Stern Sirius (d.h. wenn der Stern Sirus zum ersten Mal
am Morgenhimmel sichtbar wurde) ein Zeichen für die baldige Nilüberschwemmung
war. Der Stern Sirius war bei den Ägyptern die Personifizierung der Göttin
Sothis (Sopdet), welche insofern als Göttin der Überschwemmung und
Fruchtbarkeit verehrt wurde.
Die
erste Jahreszeit waren die „Monate der Überschwemmung“ (Thot, Phaopi, Athyr
und Choiak), die zweite Jahreszeit die „Monate des Wachstums“ (Tybi, Mechir,
Phamenoth, Pharmuti) und die dritte Jahreszeit die „Monate der Hitzezeit“ (Pachon,
Payni, Epiphi, Mesori). Das ägyptische Jahr hatte 365 Tage: zwölf Monate mit
jeweils 30 Tagen plus 5 Schalttage am Jahresende (Quelle:
Philipp Vandenberg: „Fluch der Pharaonen“). Ein Sonnenjahr ist tatsächlich
aber 365 Tage plus 6 Stunden lang, weswegen wir heute alle vier Jahre ein
Schaltjahr mit 366 Tagen haben. Im Laufe der jahrtausendelangen ägyptischen
Geschichte hatten die fehlenden 6 Stunden pro Jahr zur Folge, dass die 12 Monate
durch die drei Jahreszeiten „wanderten“. Nach 120 Jahren beispielsweise
fehlten bereits 30 Tage, so dass beispielsweise der erste Monat Thot bereits in
der dritten Jahreszeit „Monate der Hitzezeit“ begann, wo eigentlich der
Monat Mesori hingehörte und nicht, wie es sein sollte, in der ersten Jahreszeit
„Monate der Überschwemmung“. Die Verschiebung der Monate gegenüber der
Jahreszeiten ist den Alten Ägypter schließlich auch aufgefallen, wurde aber
(vielleicht als etwas Göttliches betrachtet) hingenommen, ohne das eine
Korrektur des Kalenders erfolgte.
Der
Grund für die in verschiedenen modernen Quellen differierenden
Jahreszahlangaben liegt darin, dass die alten Ägypter keinen Kalender mit einem
Jahr 0 als Beginn und fortlaufenden Jahreszahlen hatten, sondern sich die
Datumsangaben auf das Regierungsjahr des jeweils herrschenden Königs bezogen.
So kann man einem altägyptischen Text lediglich entnehmen, dass beispielsweise
ein bestimmtes Ereignis am „10. Tag des 2. Monats der Überschwemmungszeit im
5. Regierungsjahrs von Pharao ABC“ stattgefunden hatte, weiß aber nicht,
welchem Datum unseres Kalenders dies entspricht. Anhand verschiedener Methoden
haben Experten die Daten auf unseren Kalender umgerechnet, wobei es
offensichtlich unterschiedliche Auslegungen gibt. Es ist also nicht möglich,
die altägyptischen Datumsangaben exakt zu definieren, also mit bestimmter
Sicherheit sagen zu können, das soundsovielte Regierungsjahr des Pharao ABC ist
das Jahr ... v.Chr. unserer Zeitrechnung.
Die
Sonne spielte im alten Ägypten ebenfalls
eine zentrale Rolle. Verschiedene Götter verkörperten den Lauf der Sonne am
Himmel. Im Laufe der jahrtausendlangen Geschichte verschmolzen einige der
Sonnengötter miteinander und lassen sich heute nicht mehr klar trennen,
beispielsweise verschmolzen die Götter Re und Atum zum Gott Re-Atum bzw.
Atum-Re oder die Götter Re und Harachte zum Gott Re-Harachte.
Die Geschichte der altägyptischen Hochkultur wird gewöhnlich in vier Bereiche unterteilt:
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Diese
Bereiche werden nochmals durch 30 Dynastien (Königshäuser, Königsgeschlechter,
Herrscherfamilien) unterteilt, endend mit der Herrschaft des Griechen Alexander
der Große (30. Dynastie, ca. 332 v. Chr.). (Quelle
Zeitangaben: Zeittafel aus „Fluch der Pharaonen“ von Philipp Vandenberg)
Im
Alten Reich, 3. Dynastie (ca. 2700 v. Chr.) wurde das Reich Kemet unter der
Herrschaft von König Djoser in Gaue (Verwaltungsbezirke) eingeteilt. Zunächst
gab es 38 oder 39 Gaue, später erhöhte sich die Anzahl der Gaue dann auf 42
(22 oberägyptische und 20 unterägyptische Gaue), vielleicht weil die 42 für
die alten Ägypter eine mystische Zahl war.
Die
altägyptische Hieroglyphenschrift kannte keine Vokale (a, e, i, o, u).
Tefnut / Tefnet beispielsweise wurde also übersetzt geschrieben: Tfnt. Die
Vokale wurden nur gesprochen, aber da die altägyptische Sprache heute eine tote
Sprache ist, konnten die Übersetzer lediglich anhand verschiedener Methoden
Vermutungen darüber anstellen, wie das Wort seinerzeit wohl ausgesprochen
wurde. Hieraus resultieren die unterschiedlichen Schreibweisen eines Begriffs,
da verschiedene Übersetzer die Aussprache des Wortes unterschiedlich ausgelegt
haben.
Im alten Ägypten gab es verschiedenen Kosmonogien (Weltentstehungslehren) und es waren ca. 1000 Götter und Göttinnen bekannt. Es ist nicht möglich, den einzelnen Gottheiten klar umrissene Funktionen zuzuordnen, oft kommt es zu Überschneidungen und Verschmelzungen und verschiedene Aspekte an sich einer Gottheit werden zu einzelnen verschiedenen Göttern.
Netjer ist das altägyptische Wort für Gott. Als Netjer wurde die göttliche Kraft bezeichnet, die die Schöpfung hervorbrachte, d.h. es war ein abstrakter Begriff für „das Göttliche“ an sich. Netjer war aber auch eine konkrete Bezeichnung für Gott, d.h. wenn ein bestimmter Gott von den vielen verschiedenen einzelnen Göttern aus dem altägyptischen Pantheon (Gesamtheit aller Götter eines Volkes) gemeint war, die die verschiedenen Aspekte des abstrakten Göttlichen darstellten und in verschiedenen Erscheinungsformen personifizierten, z.B. anthropomorph (menschengestaltig) oder in Gestalt eines Tieres oder eine Mischung aus beidem (Menschengestalt mit Tierkopf). Auch Gestirne (z. B. die Sonne) und Elemente (z. B. die Luft) konnten Erscheinungsformen von Göttern sein.